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Identity & Learning

Vom Funktionieren zum Verstehen

Eine Phase, die man nicht überspringen sollte.

·4 min read

Ich bin 23 Jahre alt und habe das Gefühl, gleichzeitig sehr viel gesehen und noch kein richtiges Fundament zu haben.

Ich habe gearbeitet, seit ich jung bin. Nicht aus Karriereambition, sondern aus Notwendigkeit. Ich habe einfache Jobs gemacht, ganz einfach im Ein-Euro-Laden als Kassierer oder als Security, mich dann im Marketing probiert, E-Commerce-Shops aufgebaut, Marken gegründet - unendlich viele Ventures gehabt und immer wieder Dinge verworfen.

Ich bin ausgewandert, zurückgekommen, Fehler gemacht, mich überschätzt und mich neu sortiert.

In all diesen Phasen hat eines immer funktioniert: Ich selbst.

Nicht im romantischen Sinn. Sondern im pragmatischen: anpassen, improvisieren, lernen, weitermachen.


Funktionieren ist keine Identität

Lange Zeit hielt ich dieses Funktionieren für meine Stärke. Und für eine gute Zeit ist es das auch.

Wenn man früh Verantwortung tragen muss, lernt man:

  • schnell zu denken
  • Muster zu erkennen
  • Risiken einzugehen
  • sich nicht zu sehr auf andere zu verlassen

Aber je länger ich so gelebt habe, desto klarer wurde mir etwas Unangenehmes: Funktionieren ersetzt kein Fundament.

Es trägt dich durch Situationen – aber es erklärt dir nicht, wer du bist, wenn nichts brennt.


Zwischen Rollen

Heute bin ich vieles gleichzeitig:

  • Student
  • Unternehmer
  • Projektleiter
  • jemand, der Verantwortung trägt
  • jemand, der immer noch viel nachholt
  • Blogger

Ich arbeite an realen Projekten, habe Kunden, ein Team, Systeme, die laufen müssen. Gleichzeitig sitze ich in Vorlesungen und merke, dass mir dort Dinge fehlen, die andere scheinbar selbstverständlich mitbringen.

Nicht Wissen. Sondern Ordnung im Denken.

Ein inneres Gerüst. Begriffe, Modelle, Ruhe.


Cleverness skaliert nicht

Ich habe lange über Cleverness kompensiert. Schnell lernen, Abkürzungen nehmen, Dinge „irgendwie" lösen.

Das bringt einen weit. Aber es ist instabil.

Je komplexer die Verantwortung wird, desto deutlicher zeigt sich: Cleverness ohne Struktur wird hektisch. Breite ohne Integration wird unruhig. Erfolg ohne inneren Halt bleibt provisorisch.

Und Hektik ist kein Zustand, in dem man langfristige Entscheidungen trifft.

Irgendwann kommt der Punkt, an dem man merkt: Das nächste Level entsteht nicht durch mehr Tempo, sondern durch Tiefe.


Eine Phase, die man erkennen muss

Ich glaube inzwischen, dass es eine Phase im Leben gibt, die man nicht überspringen sollte.

Eine Phase, in der man:

  • langsamer wird
  • genauer hinschaut
  • das eigene Denken sortiert
  • nicht mehr nur reagiert

Nicht aus Schwäche, sondern aus Reife.

Ich bin gerade in dieser Phase.

Ich baue mir bewusst ein Fundament:

  • akademisch
  • geistig
  • strukturell

Nicht, um jemand anderes zu werden, sondern um mich selbst tragen zu können, auch wenn es ruhig wird.


Warum ich das hier aufschreibe

Bilabs ist für mich kein klassisches Projekt. Es ist ein Ort, an dem ich mein Denken öffentlich ordne.

Ich schreibe nicht, um Antworten zu geben. Ich schreibe, um präziser zu werden.

Ich dokumentiere:

  • wie sich mein Denken verändert
  • wo mir Frameworks fehlen
  • wie ich Technik, Lernen, Unternehmertum und Identität zusammenbringe

Nicht als Story. Nicht als Marke. Sondern als Prozess.


Ein offener Kreis

Vielleicht werde ich in ein paar Jahren zurückblicken und erkennen, dass diese Phase kein Einzelfall war. Dass andere ähnliche Wege gegangen sind. Dass es Muster gibt, die man erst erkennt, wenn man selbst mittendrin war.

Aber dieser Kreis muss jetzt noch nicht geschlossen werden.

Im Moment reicht es mir, zu wissen: Ich bin nicht stehen geblieben. Ich habe nur aufgehört, mich selbst zu überholen.


Ausblick

Ich weiß nicht, wo ich in zehn Jahren stehe. Aber ich weiß, dass ich nicht dort ankommen will, indem ich mich durchschlage.

Ich will verstehen, was ich tue. Warum ich es tue. Und auf welchem Fundament ich stehe.

Bilabs ist der Ort, an dem ich mir dieses Fundament baue – sichtbar, ehrlich und ohne Abkürzungen.